Schon ein Monat ist unser neues Jahr 2012 alt. Bislang gibt es ja wenig Anlass zur Freude.
Griechenland
Jeder weiß, dass Griechenland insolvent ist und mit Liquiditätsspritzen aufgepäppelt wird. Das derzeitige Schauspiel ist unwürdig.
Natürlich könnte man in einem totalitären System die Einführung einer Drachme innerhalb der Eurozone simulieren. Dazu müssten sämtliche Preise, Einkommen, Vermögen und Schulden mit einem Schlag fair bezüglich ihres Euro-Wertes gesenkt werden. Die Betonung liegt auf fair und mit einem Schlag.
Was zurzeit stattfindet ist etwas ganz anderes, und insbesondere Preise und Vermögen werden überhaupt nicht mit einbezogen. Die Hoffnung dürfte sein, dass die Preise mitziehen, aber das wird dort nicht möglich sein, wo es um elementare Waren und Dienstleistungen geht. Jeder Marktteilnehmer wird versucht sein, seinen persönlichen Vorteil zu wahren.
Das ist unsozial und unfair.
Eurozone
Es wird gern behauptet, die Eurozone stehe gar nicht so schlecht da, und die USA sollten sich um ihr eigenes Schuldenproblem kümmern.
Wer das behauptet, übersieht wesentliche Aspekte des Gesamtsystems.
Die Hybridrolle des US-Dollar als Weltreservewährung und erforderliche Währung für den Handel mit Rohstoffen, insbesondere Öl, stellt einen dieser wichtigen Aspekte dar. Über diesen können die USA einen erheblichen Teil der durch ihre Geldmengenausweitung verursachten Teuerung auf andere Währungsräume abwälzen ("ihre Inflation exportieren").
Der andere Aspekt ist die Struktur der Verschuldung, sowohl bezüglich Laufzeit als auch Verteilung. Was die Laufzeit betrifft, so ist der hohe Refinanzierungsbedarf schwächelnder Eurozonen-Staaten in der näheren Zukunft ja in der Presse beleuchtet worden. Betrachten wie also die Struktur.
Die US-Zentralbank ist der größte Eigentümer von US-Staatsanleihen. US-Fonds und -Bürger halten ebenfalls erhebliche Volumina. Weiterhin sind China, Japan und Großbritannien zu nennen. Die Situation in der Eurozone stellt sich hingegen völlig anders dar. Zwei Drittel der Eurozonen-Schulden bilden einen gigantischen Kreislauf zwischen Marktteilnehmern, speziell Banken, der Eurozone, bei denen unübersehbar ist, dass ihre Interessen auseinanderdriften. In einem Kreditgeldsystem sind solche Kreisläufe selbstverständlich. Der entscheidende Faktor hierbei ist jedoch, welche Wirtschaftsleistung dieser Kreditgeldmenge zugrunde liegt und welche Handlungsspielräume und Interessen die jeweiligen Marktteilnehmer haben.
Bei nüchterner Betrachtung ergibt sich ganz klar, dass die US-Verschuldung überhaupt kein Problem darstellt, die Eurozonen-Verschuldung aber durchaus. Die Medien spielen bei der Verzerrung dieses Umstandes eine spezielle Rolle, weil sie zumindest in den Überschriften gern suggerieren, die USA stünden vor einer Zahlungsunfähigkeit. Das ist unzutreffend. Die USA stehen vor einer problemlos erweiterbaren, willkürlich festgelegten Verschuldungsgrenze, also schlimmstenfalls vor einer Zahlungsunwilligkeit.
Unabhängig davon, wie Deutschland für sich gesehen dasteht, befindet sich die Eurozone bereits in einer Rezession. Zugleich besteht Bedarf daran, das zirkuläre System aus zum großen Teil offenbar faulen Krediten am laufen zu halten.
Damit kann man allerdings bestimmte grundlegende Gesetzmäßigkeiten nicht außer Kraft setzen.
Auch der neue "Fiskalpakt" beinhaltet keinerlei Neuerungen. Die Schmerzhaftigkeit der zugrunde liegenden Bestrafung, nämlich Bußgeldzahlungen, wird ohnehin jeden Tag weiter durch die Aufweichung von Haftungsausschlüssen verringert. Und ein Durchgriff seitens der EU wird nur Sparmaßnahmen bringen, die das Problem weiter verschärfen.
Bayern
Der Freistaat Bayern fährt offenbar eine Kampagne, seine Verschuldung in absehbarer Zeit vollständig abzutragen.
Aus Sicht des Finanzsystems ist diese Nachricht eine Katastrophe.
Wir befinden uns in einem kreditbasierten Geldsystem. Dieses System funktioniert nur gut bei stetigem Wachstum (siehe oben bei den Ausführungen zu Griechenland). Für ein gesundes Wachstum dieses Systems muss die Menge an Kreditgeld nachhaltig wachsen. Dies ist nur möglich, wenn sich solvente Schuldner finden. Es gibt auf Länderebene wenige potenzielle Schuldner, die so solvent sind wie der Freistaat Bayern.
Sein Ausstieg aus seiner Verschuldung wirkt daher destabilisierend auf das Finanzsystem.
Deutschland
Jim O'Neill, Ökonom bei Goldman Sachs, wird vom Handelsblatt unter der Überschrift Starökonom: Deutschland könnte die Weltwirtschaft stabilisieren zitiert.
Das macht natürlich nur vor psychologischem Hintergrund Sinn. Rein ökonomisch betrachtet ist schwer erklärlich, wie eine Exportnation die Weltwirtschaft stabilisieren soll, wenn ihre wichtigsten Handelspartner (in der Eurozone) in der Rezession stecken und ihre zweitwichtigsten Handelspartner (Schwellenländer) ihr Wachstum verlangsamen und vor erheblichen Problemen stehen.
Alles was schlussendlich zählt ist Konsum. Ohne den macht Wirtschaftsleistung keinen Sinn.
Was Jim O'Neill wohl wirklich meint ist, dass die deutschen Konsumenten ungetrübt weiter konsumieren sollen und der deutsche Staat in der Hoffnung auf Stabilisierung seine krisenbezogene Zahlungswilligkeit aufrecht erhalten soll.
Iran
An sich stand die Iran-Problematik ja bereits für 2010 an. Das Virus STUXNET hat der Welt eine Verschnaufpause erkauft. Jetzt ist das Thema wieder auf dem Tisch. DIe Zeitfenster-Rhetorik ist unübersehbar.
Eine Frage der Dosis
Wie immer kommt es auf die Dosierung der einzelnen Wirkstoffe an.
Es sieht nicht so aus, als sei dies die richtige Medizin fpr die Eurozone.
Denken Sie wie immer gern, was Sie wollen.
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