Der folgende Mitschnitt eines Auftritts des Wertpapierhändlers Joe Saluzzi in einer Sendung des US-Nachrichtensenders Bloomberg ist in zweierlei Hinblick ein Lehrstück.
Zunächst einmal nimmt Herr Saluzzi kein Blatt vor den Mund. Manipulationen an den Aktienmärkten und bewusst beschönigende Prognosen der Regierung sind für ihn so selbstverständlich dass sie nicht einmal erklärt werden müssen. (Ein weiterer Wertpapierhändler sprach im US-Fernsehen eher zurückhaltend über manipulative Eingriffe.) Die Euphorie oder Hoffnung an den Märkten und einiger Kommentatoren gehen für ihn nicht mit den Fundamentaldaten zusammen.
Im Kern seiner Botschaft steht jedoch, dass zwei Drittel des Handelsvolumens an den Aktienmärkten derzeit durch einen automatisierten, auf Computer-Algorithmen basierenden Handel bestritten werden. Solche Algorithmen agieren ihrem Wesen nach opportunistisch; der ganze Sinn ihrer Existenz besteht darin, durch extrem schnelle Transaktionen leichte Kursschwankungen und überregionale Kursabweichungen zur Erzeugung von Geld aus Geld auszunutzen. Wenn diese Programme das Handelsvolumen dominieren schaukeln sie sich tendenziell gegenseitig hoch.
Joe Saluzzis Befürchtung: Im Fall einer schlechten Nachricht würden reale Verkäufer den Markt übernehmen. Die Algorithmen würden dann ebenfalls sofort verkaufen. Es bräuchte dann schon reale Käufer um die Kurse vor einem Absturz zu bewahren. (Damit scheint er nicht zu rechnen. Angesichts historisch extrem hoher Aktienkurse ist das nicht verwunderlich.)
Von den interessanten Informationen abgesehen bietet das Video auch die Gelegenheit das rhetorische Repertoire und Dominanzverhalten des Moderators zu studieren, der versucht bestimmte Aussagen herunterzuspielen oder zu verhindern.
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Sonntag, 5. Juli 2009
US-Wertpapierhändler: Marktmanipulation, Fakten widersprechen Prognosen, absichtlich irreführende offizielle Zahlen, Computerprogramme dominieren Aktienkurse, Handelsvolumen ist nicht Liquidität
Ex-Fondsmanager mit Medienpräsenz: Selbstverständnis, Manipulation und Interessenskonflikte
Um das Folgende zu verstehen ist es hilfreich zu wissen dass in den USA privates Engagement an Kapitalmärkten schon wesentlich länger und viel weiter verbreitet ist als hierzulande... sowohl direkt als auch indirekt durch steuerbegünstigte private Vorsorgeprogramme wie 401 (k), von denen sich einige momentan Liquiditätsprobelemen ausgesetzt sehen.
Jim Cramer war Fondsmanager, ist heute aber eher mit Vermarktung beschäftigt: Seiner eigenen sowie der von anderen Menschen die gern für ihre Investment-Tipps und ihre Meinung bezahlt werden möchten. Er selbst sagt den Menschen in seiner Fernseh-Show "Mad Money", welche Aktien sie kaufen und welche sie verkaufen sollen.
Dabei liegt er regelmäßig arg daneben, aber das vergisst er bis zur nächsten Show völlig schmerzfrei. Schlimmer noch, er erklärt seinen Zuschauern auch mal, dass sie ihm nicht richtig zugehört hätten:
Warum liegt er daneben? Vielleicht weiß er es nicht besser. Aber er war Fondsmanager. Hier spricht er darüber, wie er Märkte manipuliert hat um die Masse der Investoren in die Richtung zu bewegen die für seine Investitionen vorteilhaft waren... und auch darüber dass es ihm Spaß macht den Markt zu irritieren; davon zu profitieren, dass die Börsenaufsicht FCC nicht klug genug ist um verbotene Praktiken aufzudecken; und darüber dass man kein Fondsmanager sein sollte wenn man nicht verstanden hat dass man Reportern passende Gerüchte zustecken sollte:
Ein ebenfalls aufschlussreicher Fernsehmitschnitt ist dieser hier im Zusammenhang mit dem Beginn der Subprime-Probleme von Bear Stearns 2007, in dem ab 1:30 deutlich wird, wie sehr ihn der Rollenkonflikt zwischen Medienpräsenz, privaten Verbindungen, seinem Glauben an Marktbeeinflussung und dem Wissen darum, wie schlimm es da draußen wirklich ist, belastet. Ein sehenswerter Gemütsausbruch:
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Jim Cramer war Fondsmanager, ist heute aber eher mit Vermarktung beschäftigt: Seiner eigenen sowie der von anderen Menschen die gern für ihre Investment-Tipps und ihre Meinung bezahlt werden möchten. Er selbst sagt den Menschen in seiner Fernseh-Show "Mad Money", welche Aktien sie kaufen und welche sie verkaufen sollen.
Dabei liegt er regelmäßig arg daneben, aber das vergisst er bis zur nächsten Show völlig schmerzfrei. Schlimmer noch, er erklärt seinen Zuschauern auch mal, dass sie ihm nicht richtig zugehört hätten:
Warum liegt er daneben? Vielleicht weiß er es nicht besser. Aber er war Fondsmanager. Hier spricht er darüber, wie er Märkte manipuliert hat um die Masse der Investoren in die Richtung zu bewegen die für seine Investitionen vorteilhaft waren... und auch darüber dass es ihm Spaß macht den Markt zu irritieren; davon zu profitieren, dass die Börsenaufsicht FCC nicht klug genug ist um verbotene Praktiken aufzudecken; und darüber dass man kein Fondsmanager sein sollte wenn man nicht verstanden hat dass man Reportern passende Gerüchte zustecken sollte:
Ein ebenfalls aufschlussreicher Fernsehmitschnitt ist dieser hier im Zusammenhang mit dem Beginn der Subprime-Probleme von Bear Stearns 2007, in dem ab 1:30 deutlich wird, wie sehr ihn der Rollenkonflikt zwischen Medienpräsenz, privaten Verbindungen, seinem Glauben an Marktbeeinflussung und dem Wissen darum, wie schlimm es da draußen wirklich ist, belastet. Ein sehenswerter Gemütsausbruch:
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Montag, 29. Juni 2009
Die Bank für Internatonalen Zahlungsausgleich, die Derivate, das Gold und die Sorge um Bankeninsolvenzen
Heute hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ / Bank for International Settlements, BIS) ihren Jahresbericht veröffentlicht.
Die BIZ könnte man heute als die Bank der Zentralbanken bezeichnen. Zentralbanken von weltweit 55 Staaten und Staatenverbünden angefangen bei Argentinien über Brasilien, China, Deutschland, Europäische Union, Indien, Israel, die Russische Föderation und die USA sind Aktionäre der BIZ und erhalten auch dieses Jahr eine Dvidende.
Die Zentralbanken deponieren vorrangig Devisen und Gold bei der BIZ. Diese arbeitet dann damit, finanziert sich selbst daraus und zahlt entsprechende Zinsen für die Einlagen sowie die Dividende.
Vergleicht man die aktuelle Bilanz der BIZ mit der des vergangenen Jahres so fällt auf dass die BIZ ihre Investitionen in Staats- und vergleichbare Anleihen ("Schatzwechsel") auf über 96 Milliarden SZRe (etwa 105 Milliarden Euro) fast verdoppelt hat. Die einzige weitere Anlageform, in die stärker investiert wurde, waren Derivate.
Die erläuternde Passage im Bericht liest sich so (Hervorhebung durch mich):
Die Bank der Zentralbanken hat also nach ihrer eigenen Darstellung im vergangenen Geschäftsjahr, von April 2008 bis März 2009, von Investitionen in private Schuldner aus Sorge vor deren Zahlungsunfähigkeit Abstand genommen und stattdessen in Staatsanleihen investiert und ihre Goldverkäufe zurückgefahren.
Nicht recht ins Bild passt die zunehmende Investition ausgerechnet in Derivate. Wer der offiziellen Darstellung nicht glauben möchte kann natürlich schlussfolgern, dass das eigentliche Ziel der BIZ die Stützung der Finanzmärkte war. Man sollte allerdings berücksichtigen dass 55 Zentralbanken mit teilweise drastisch divergenten Interessen Anteilseigner der BIZ sind. Insofern ist die naheliegendste Interpretation immer noch dass sich das Management auf eine konsensfähige risikoarme Geldanlage fokussiert hat.
Die Zentralbanken liehen der BIZ übrigens in erheblichem Umfang Gold (22,6 Milliarden SZRe, bei angenommenen 900 US-Dollar pro Feinunze wären das etwa 1.150 Tonnen). Das macht herzlich wenig Sinn wenn die Absicht dabei nicht war hieraus Rendite zu erwirtschaften. Denn die BIZ ist keine Zentralbank der Zentralbanken mit eigenen Währungsreserven, sondern eher ein Dienstleister, eine Bank der Zentralbanken. Da es sich um geliehenes Gold handelt kommt hier eigentlich nur Leasing in Betracht. Weil die BIZ die Einnahmen aus Gold-Transaktionen als Zinserträge subsummiert wird nicht recht klar was mit den 1.150 Tonnen Gold in den zwölf Monaten geschah. Kritiker glauben dass Gold-Leasing dazu dient den Anschein zu erwecken als gäbe es mehr Gold als tatsächlich verfügbar ist. Das US-amerikanische Gold Anti-Trust Action Committee GATA sammelt seit Jahren Indizien für diese Annahme. Im Jahr 2005 hat das GATA beispielsweise dokumentiert, dass die Zentralbank der Phillippinen auf ihren Internetseiten angegeben hat, in Übereinstimmung mit den neuen Regelungen des Internationalen Währungsfonds verliehenes Gold immer noch als zu ihren Reserven gehörend auszuweisen. Die BIZ beispielsweise würde geliehenes Gold ebenfalls in ihrer Bilanz führen. Somit würde die selbe Menge physischen Goldes in der Bilanz zweier Banken erscheinen.
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Die BIZ könnte man heute als die Bank der Zentralbanken bezeichnen. Zentralbanken von weltweit 55 Staaten und Staatenverbünden angefangen bei Argentinien über Brasilien, China, Deutschland, Europäische Union, Indien, Israel, die Russische Föderation und die USA sind Aktionäre der BIZ und erhalten auch dieses Jahr eine Dvidende.
Die Zentralbanken deponieren vorrangig Devisen und Gold bei der BIZ. Diese arbeitet dann damit, finanziert sich selbst daraus und zahlt entsprechende Zinsen für die Einlagen sowie die Dividende.
Vergleicht man die aktuelle Bilanz der BIZ mit der des vergangenen Jahres so fällt auf dass die BIZ ihre Investitionen in Staats- und vergleichbare Anleihen ("Schatzwechsel") auf über 96 Milliarden SZRe (etwa 105 Milliarden Euro) fast verdoppelt hat. Die einzige weitere Anlageform, in die stärker investiert wurde, waren Derivate.
Die erläuternde Passage im Bericht liest sich so (Hervorhebung durch mich):
Angesichts dieser höchst turbulenten Marktbedingungen ergriff das Management der Bank wiederholt Maßnahmen, um die Widerstandsfähigkeit der Bank gegenüber den Ereignissen zu erhöhen. Auf der Passivseite der Bilanz nahmen die Währungseinlagen ab, da die für kurzfristige BIZ-Instrumente geltenden Zinssätze gesenkt wurden und der Absatz bestimmter BIZ-Produkte nach und nach verringert oder nötigenfalls sogar ausgesetzt wurde. Auf der Aktivseite schränkte das Management die Einlagen bei Geschäftsbanken und die jeweilige Duration ein und erhöhte die Anlagen in Papieren von staatlichen und staatsnahen Emittenten. Dadurch verringerte sich die Bilanzsumme, die grundlegende Rentabilität der Bank wurde aufrechterhalten, und die Bank erlitt keine nennenswerten Verluste aufgrund von Ausfällen von Gegenparteien oder Emittenten von Schuldtiteln. Als zusätzliche Maßnahme beschränkte das Management 2008/09 die Veräußerungen von Gold auf 5 Tonnen, während im vorangegangenen Geschäftsjahr noch 25 Tonnen veräußert worden waren.
Die Bank der Zentralbanken hat also nach ihrer eigenen Darstellung im vergangenen Geschäftsjahr, von April 2008 bis März 2009, von Investitionen in private Schuldner aus Sorge vor deren Zahlungsunfähigkeit Abstand genommen und stattdessen in Staatsanleihen investiert und ihre Goldverkäufe zurückgefahren.
Nicht recht ins Bild passt die zunehmende Investition ausgerechnet in Derivate. Wer der offiziellen Darstellung nicht glauben möchte kann natürlich schlussfolgern, dass das eigentliche Ziel der BIZ die Stützung der Finanzmärkte war. Man sollte allerdings berücksichtigen dass 55 Zentralbanken mit teilweise drastisch divergenten Interessen Anteilseigner der BIZ sind. Insofern ist die naheliegendste Interpretation immer noch dass sich das Management auf eine konsensfähige risikoarme Geldanlage fokussiert hat.
Die Zentralbanken liehen der BIZ übrigens in erheblichem Umfang Gold (22,6 Milliarden SZRe, bei angenommenen 900 US-Dollar pro Feinunze wären das etwa 1.150 Tonnen). Das macht herzlich wenig Sinn wenn die Absicht dabei nicht war hieraus Rendite zu erwirtschaften. Denn die BIZ ist keine Zentralbank der Zentralbanken mit eigenen Währungsreserven, sondern eher ein Dienstleister, eine Bank der Zentralbanken. Da es sich um geliehenes Gold handelt kommt hier eigentlich nur Leasing in Betracht. Weil die BIZ die Einnahmen aus Gold-Transaktionen als Zinserträge subsummiert wird nicht recht klar was mit den 1.150 Tonnen Gold in den zwölf Monaten geschah. Kritiker glauben dass Gold-Leasing dazu dient den Anschein zu erwecken als gäbe es mehr Gold als tatsächlich verfügbar ist. Das US-amerikanische Gold Anti-Trust Action Committee GATA sammelt seit Jahren Indizien für diese Annahme. Im Jahr 2005 hat das GATA beispielsweise dokumentiert, dass die Zentralbank der Phillippinen auf ihren Internetseiten angegeben hat, in Übereinstimmung mit den neuen Regelungen des Internationalen Währungsfonds verliehenes Gold immer noch als zu ihren Reserven gehörend auszuweisen. Die BIZ beispielsweise würde geliehenes Gold ebenfalls in ihrer Bilanz führen. Somit würde die selbe Menge physischen Goldes in der Bilanz zweier Banken erscheinen.
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Sonntag, 7. Juni 2009
USA: Ausgewiesenes Wirtschaftswachstum voraus?
Wer sich fragt, wie die Zukunft der USA und des US-Dollar aussehen, muss zuerst betrachten welche Handlungsmöglichkeiten bestehen.
Spiegel Online befragte einen im Artikel nicht näher bezeichneten Ulrich Leuchtmann (vermutlich Devisenexperte der Commerzbank):
Aber kann man denn ein "starkes Wirtschaftswachstum" erzeugen?
Ja. Seit 1986 ergeben sich für die USA durch Unterschiede in der Berechnung höhere Zahlen zum Wirtschaftswachstum als für andere Nationen. Da der Anreiz für die USA sehr hoch ist, nach außen Stärke zu projizieren, wäre ein inflationiertes Schein-Wirtschaftswachstum ein attraktives Szenario.
Hierzu passt auch die Tonart von Obamas Rede zur Zukunft von General Motors als international konkurrenzfähigem Hersteller, für dessen Zukunft viele Opfer gebracht werden müssen... einschließlich niedrigerer Löhne.
Weil allerdings aktuell 70% des US-Bruttoinlandprodukts durch privaten Konsum bestritten werden kann dies keine nachhaltige Lösung sein, da sie beinhaltet, dass die realen Einkommen der General-Motors-Mitarbeiter durch die kaschierte Teuerung noch stärker fallen als die nominellen. Es müsste schon ein reales Wirtschaftswachstum geben um das Szenario von Ulrich Leuchtmann auf Dauer wahr werden zu lassen.
Woher angesichst der hoffnungslos überschuldeten US-Verbraucher und der synchronen weltweiten Rezession die Nachfrage für ein nachhaltiges US-Wirtschaftswachstum kommen soll erklärt Ulrich Leuchtmann nicht.
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Spiegel Online befragte einen im Artikel nicht näher bezeichneten Ulrich Leuchtmann (vermutlich Devisenexperte der Commerzbank):
Die Dollar-Schwäche, so der Experte, sei möglicherweise schon bald zu Ende.
Leuchtmanns Optimismus kommt nicht von ungefähr. "Es gibt auch andere Wege, eine Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen, als sie wegzuinflationieren", sagt er. Eine Möglichkeit dazu ist ein starkes Wirtschaftswachstum, das die Steuereinnahmen steigern und Konjunkturstützen obsolet machen würde. "Das hätte den positiven Effekt, dass auch das Verhältnis der Staatsschuld zum BIP in Grenzen gehalten würde", sagt Leuchtmann. "Das Rating der USA geriete also nicht in Gefahr."
Nach Ansicht des Experten spricht einiges dafür, dass die USA auf diesem Wege aus der Krise finden. "Am Ende einer Rezession muss eine Volkswirtschaft immer auf niedrigerem Niveau agieren und mit geringerer Produktionskapazität auskommen", sagt er. "Daraus folgt, dass auch die Reallöhne sinken müssen."
Aber kann man denn ein "starkes Wirtschaftswachstum" erzeugen?
Ja. Seit 1986 ergeben sich für die USA durch Unterschiede in der Berechnung höhere Zahlen zum Wirtschaftswachstum als für andere Nationen. Da der Anreiz für die USA sehr hoch ist, nach außen Stärke zu projizieren, wäre ein inflationiertes Schein-Wirtschaftswachstum ein attraktives Szenario.
Hierzu passt auch die Tonart von Obamas Rede zur Zukunft von General Motors als international konkurrenzfähigem Hersteller, für dessen Zukunft viele Opfer gebracht werden müssen... einschließlich niedrigerer Löhne.
Weil allerdings aktuell 70% des US-Bruttoinlandprodukts durch privaten Konsum bestritten werden kann dies keine nachhaltige Lösung sein, da sie beinhaltet, dass die realen Einkommen der General-Motors-Mitarbeiter durch die kaschierte Teuerung noch stärker fallen als die nominellen. Es müsste schon ein reales Wirtschaftswachstum geben um das Szenario von Ulrich Leuchtmann auf Dauer wahr werden zu lassen.
Woher angesichst der hoffnungslos überschuldeten US-Verbraucher und der synchronen weltweiten Rezession die Nachfrage für ein nachhaltiges US-Wirtschaftswachstum kommen soll erklärt Ulrich Leuchtmann nicht.
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Samstag, 6. Juni 2009
Hedonische Preise, Teuerungsraten, Inflation und Scheinwachstum
Was wir in den Medien als "Inflationsrate" präsentiert bekommen ist streng genommen die "Teuerungsrate". Da sie nicht vorhergesehen werden kann wird die Teuerungsrate ermittelt. Hierzu berechnet das Statistische Bundesamt Deutschland den Verbraucherpreisindex; die Teuerungsrate ergibt sich dann im Vergleich mit dem Vorjahresmonat.
Die Berechnung des Verbraucherpreisindex erfolgt anhand eines gewichteten Warenkorbes sowie verschiedener Preisanpassungen im Zusammenhang mit angenommenen Qualitätsverbesserungen, Verhaltensänderungen und saisonalen Besonderheiten.
Diese Anpassungen vollziehen nicht alle Konsumenten nach. Die meisten dieser Anpassungen sind dennoch sinnvoll, wenn sie mit realistischer Dosierung eingesetzt werden.
Die USA verwenden beispielsweise seit 1986 hedonische Preise zur Berechnung des Preisindex. Diese Methode dient der Preisanpassung in besonders innovativen Branchen und soll Leistungssteigerungen bei Geräten angemessen erfassen. Das ist sinnvoll, sofern der Verbraucher überhaupt noch die Wahl hat. Im Bereich der Computer und Notebooks ist dies jedoch nicht immer der Fall: Geräte aus der Leistungsklasse von vor drei Jahren können nicht mehr neu erworben werden. Auch wird die Leistungssteigerung bei Computern häufig durch langsamere Betriebssysteme und Programme aufgrund neuer Funktionen wettgemacht, wobei der Anwender diese neuen Funktionen entweder nicht nutzt, nicht bewusst wahrnimmt oder schlicht als "selbstverständliche, zeitgemäße Innovation" betrachtet. Die Anwendung der hedonischen Preise bewirkt dann jedoch, dass sich im Vergleich zum Vorjahr ein erheblich niedigerer zu zahlender Preis für die selbe Leistung ergibt.
Dabei sind drei Punkte zu bedenken. Erstens: Die Zusammensetzung des Warenkorbes. Jemand der ohne Computer lebt bekommt durch die Innovation in diesem Bereich eine niedrige Teuerung gennant, erlebt aber vielleicht Preissteigerungen bei Lebensmitteln. Zweitens: Die Wahlmöglichkeit. Unterhalb einer bestimmten Leistungsklasse kann ein Verbraucher keinen (oder keinen sinnvollen) Kauf mehr tätigen. Drittens: Die Gewöhnung. In der Praxis neigten die Menschen dazu, Geräte einer bestimmten Preisklasse zu erwerben und diese Preisklasse auch beim Neukauf beizubehalten, so dass die Anwendung hedonischer Preise nicht unbedingt das reale Kaufverhalten der Mehrheit abbildet.
Die ermittelte Teuerungsrate spielt in viele andere Bereiche hinein, von der Anpassung der Renten bis hin zur Ermittlung des Bruttoinlandsproduktes (dessen reale Veränderung um die Teuerungsrate bereinigt werden muss). Die Deutsche Bundesbank sah sich im August 2000 zu einer deutlichen Stellungnahme veranlasst:
Im Mai 2004 führte das Statistische Bundesamt hedonische Methoden bei EDV-Investitionsgütern ein. Da bei der Anwendung solcher Methoden stets Ermessensspielraum bleibt ist die Vergleichbarkeit von hedonischen Preisanpassungen nicht unmittelbar gegeben.
In den USA werden für die Berechnung des Preisindex weitere Anpassungen eingesetzt. So werden Teuerungen untergewichtet wenn ein vergleichbares Produkt im Preis günstiger bleibt: Steigt der Preis von Nudeln während der von Reis gleich bleibt so wird unterstellt dass der Verbraucher häufiger Reis kauft um Geld zu sparen. Der Anteil an Nudeln im Warenkorb wird dann automatisch verringert.
Der US-amerikanische Ökonom John Williams berechnet wirtschaftliche Kenndaten der USA weiterhin nach den Methoden von 1986. Sein kostenpflichtiger Dienst shadowstats.com genießt einen hervorragenden Ruf. Wie schon aus der Schätzung der Deutschen Bundesbank oben ersichtlich wird können sich durch die Anpassungen erhebliche Unterschiede ergeben. Das folgende Diagramm vergleicht den offiziellen Preisindex mit dem, der sich nach Berechnungen von 1986 ergeben hätte.

(Die US-Zentralbank orientiert sich am offiziellen Preisindex, geht deshalb zurzeit von sinkenden Preisen aus und nimmt dies zum Anlass, mit allen Mitteln Preissteigerungen erzeugen zu wollen.)
Die Konsequenzen für das (inflationsbereinigte) Bruttoinlandsprodukt sind nicht unerbeblich, wie das folgende Diagramm aufzeigt. Hält man sich an die klassische Art der Berechnung des Preisindex so ist die US-Wirtschaft seit dem Platzen der Dotcom-Blase vor neun Jahren mit einer kurzen Pause kontinuierlich geschrumpft.

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Die Berechnung des Verbraucherpreisindex erfolgt anhand eines gewichteten Warenkorbes sowie verschiedener Preisanpassungen im Zusammenhang mit angenommenen Qualitätsverbesserungen, Verhaltensänderungen und saisonalen Besonderheiten.
Diese Anpassungen vollziehen nicht alle Konsumenten nach. Die meisten dieser Anpassungen sind dennoch sinnvoll, wenn sie mit realistischer Dosierung eingesetzt werden.
Die USA verwenden beispielsweise seit 1986 hedonische Preise zur Berechnung des Preisindex. Diese Methode dient der Preisanpassung in besonders innovativen Branchen und soll Leistungssteigerungen bei Geräten angemessen erfassen. Das ist sinnvoll, sofern der Verbraucher überhaupt noch die Wahl hat. Im Bereich der Computer und Notebooks ist dies jedoch nicht immer der Fall: Geräte aus der Leistungsklasse von vor drei Jahren können nicht mehr neu erworben werden. Auch wird die Leistungssteigerung bei Computern häufig durch langsamere Betriebssysteme und Programme aufgrund neuer Funktionen wettgemacht, wobei der Anwender diese neuen Funktionen entweder nicht nutzt, nicht bewusst wahrnimmt oder schlicht als "selbstverständliche, zeitgemäße Innovation" betrachtet. Die Anwendung der hedonischen Preise bewirkt dann jedoch, dass sich im Vergleich zum Vorjahr ein erheblich niedigerer zu zahlender Preis für die selbe Leistung ergibt.
Dabei sind drei Punkte zu bedenken. Erstens: Die Zusammensetzung des Warenkorbes. Jemand der ohne Computer lebt bekommt durch die Innovation in diesem Bereich eine niedrige Teuerung gennant, erlebt aber vielleicht Preissteigerungen bei Lebensmitteln. Zweitens: Die Wahlmöglichkeit. Unterhalb einer bestimmten Leistungsklasse kann ein Verbraucher keinen (oder keinen sinnvollen) Kauf mehr tätigen. Drittens: Die Gewöhnung. In der Praxis neigten die Menschen dazu, Geräte einer bestimmten Preisklasse zu erwerben und diese Preisklasse auch beim Neukauf beizubehalten, so dass die Anwendung hedonischer Preise nicht unbedingt das reale Kaufverhalten der Mehrheit abbildet.
Die ermittelte Teuerungsrate spielt in viele andere Bereiche hinein, von der Anpassung der Renten bis hin zur Ermittlung des Bruttoinlandsproduktes (dessen reale Veränderung um die Teuerungsrate bereinigt werden muss). Die Deutsche Bundesbank sah sich im August 2000 zu einer deutlichen Stellungnahme veranlasst:
Die mit dem US-Deflator preisbereinigten EDV-Investitionen in Deutschland waren 1998 mit schätzungsweise 64 Mrd DM mehr als doppelt so hoch wie die realen Investitionen nach der amtlichen Statistik; im Jahr 1999 betrug der Abstand sogar reichlich 170%. Für die Jahre seit 1991 ergibt sich auf amerikanischer Preisbasis ein Anstieg der realen EDV-Ausrüstungen in Deutschland um jahresdurchschnittlich 27 1/2%, verglichen mit 6% nach dem traditionellen Ansatz.
Eine Anpassung der realen EDV-Ausrüstungen in Deutschland in dieser Größenordnung bedeutete rein rechnerisch einen höheren Beitrag der Ausrüstungsinvestitionen zur Expansion des Bruttoinlandsprodukts und damit auch, isoliert betrachtet, ein stärkeres Wirtschaftswachstum.
Im Mai 2004 führte das Statistische Bundesamt hedonische Methoden bei EDV-Investitionsgütern ein. Da bei der Anwendung solcher Methoden stets Ermessensspielraum bleibt ist die Vergleichbarkeit von hedonischen Preisanpassungen nicht unmittelbar gegeben.
In den USA werden für die Berechnung des Preisindex weitere Anpassungen eingesetzt. So werden Teuerungen untergewichtet wenn ein vergleichbares Produkt im Preis günstiger bleibt: Steigt der Preis von Nudeln während der von Reis gleich bleibt so wird unterstellt dass der Verbraucher häufiger Reis kauft um Geld zu sparen. Der Anteil an Nudeln im Warenkorb wird dann automatisch verringert.
Der US-amerikanische Ökonom John Williams berechnet wirtschaftliche Kenndaten der USA weiterhin nach den Methoden von 1986. Sein kostenpflichtiger Dienst shadowstats.com genießt einen hervorragenden Ruf. Wie schon aus der Schätzung der Deutschen Bundesbank oben ersichtlich wird können sich durch die Anpassungen erhebliche Unterschiede ergeben. Das folgende Diagramm vergleicht den offiziellen Preisindex mit dem, der sich nach Berechnungen von 1986 ergeben hätte.

(Die US-Zentralbank orientiert sich am offiziellen Preisindex, geht deshalb zurzeit von sinkenden Preisen aus und nimmt dies zum Anlass, mit allen Mitteln Preissteigerungen erzeugen zu wollen.)
Die Konsequenzen für das (inflationsbereinigte) Bruttoinlandsprodukt sind nicht unerbeblich, wie das folgende Diagramm aufzeigt. Hält man sich an die klassische Art der Berechnung des Preisindex so ist die US-Wirtschaft seit dem Platzen der Dotcom-Blase vor neun Jahren mit einer kurzen Pause kontinuierlich geschrumpft.

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